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Auf der Suche nach dem Paradies

„Muss man das Paradies wirklich suchen oder hat nicht jeder sein persönliches Paradies schon gefunden?“
Das ist eine Frage, die ich gerne für mich klären möchte. Dazu muss ich ein weinig ausholen: Ich bin gebürtiger Nordkehdinger.

Nordkehdingen liegt direkt an der Elbe, fast schon im Mündungsbereich zur Nordsee. Wind gibt es hier ständig, meist kalt von See her. Hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen und auch hier habe ich später gearbeitet. Hier lebe ich mit meiner Frau, hier haben wir unsere Kinder aufgezogen und man sagt mir den typischen Kehdinger nach. Kein Wunder, seit 1964 werde ich von Wind und Wetter gezeichnet und geschliffen. Die Zeitlinien im Gesicht zeugen davon.

Die schönste Jahreszeit ist für mich der Frühling, wenn er das triste Grau des Winterhalbjahres zu vertreiben versucht, was leider nicht immer gelingt. Alles fängt an zu grünen und blühen. Mit dem zunehmenden Tageslicht steigt auch die Laune. Die Menschen tauen auf. Normalerweise sagt man dem Kehdinger Wortkargheit und ein eisiges Gemüt nach. Stimmt so weit, nur nicht im Frühling. Der Sommer im Kehdingerland ist auch in Ordnung, wenn nicht gerade der typische Norddeutsche Sommer durchs Land zieht. Oft genug sind die Monate Juli und August verregnet, manchmal sogar der Mai und Juni. Es gab Jahre, da habe ich den Sommer als zu warmen Winter bezeichnet.

Die Jahre haben mich geprägt. Ich habe mein Kehdingen immer als das Paradies angesehen, das es für alle Kehdinger ist. Ist es das wirklich?

 Eine Perle an der Elbe. Nun aber, mit zunehmendem Alter kommen die ersten Zipperlein, Morgensteifigkeit und an trüben Tagen schlechte Laune. Kurz um: Ich hab die Nase voll, voll von alle dem. Nicht nur ich, sondern besonders auch meine bessere Hälfte, sehnen sich nach Wärme. Das ganze Jahr hindurch.

Die Menschen um uns herum können es nicht verstehen.
„Wieso wollt ihr unser schönes Paradies verlassen?“
Wie gesagt, für jeden Menschen sieht das Paradies anders aus. Bei Adam und Eva gab es im Paradies Äpfel. Es könnte sich dabei um das Alte Land gehandelt haben, oder? Ich kenne Paare, die haben sich das Paradies ans Haus gebaut. Sie nennen es Wintergarten. Tropische Pflanzen, die unsere Winter nicht überstehen würden, gedeihen hier prächtig. Und sie sind, zurecht stolz auf das, was sie geschaffen haben. Ein zwanzig Quadratmeter großen Paradies? Für mich wäre das nur eine Zwischenlösung, zwar schön, aber mehr auch nicht. Draußen wäre das Wetter immer noch Wetter und an die kurz angebundenen Menschen würde das auch nichts ändern. Auch nicht, wenn man ihnen selber gutgelaunt begegnet. Sie bringen einem ganz schnell wieder runter. Glauben Sie mir.

In meinem Paradies kommen nur Palmen und türkises Wasser, mit unendlichen weißen Sandstränden vor. Mag ein Klischee sein, dennoch entspricht es der Realität. Sollten Sie mal ausprobieren und sich vor Ort ein Bild darüber machen.  Costa Rica ist mein Traumziel.
Ja, gut, es liegt am anderen Ende der Welt, aber das Klima ist genauso, wie wir es brauchen. Vor Corona haben wir uns das Land angesehen, im Dezember. Ein Traum!

Im Oktober haben wir eine Alternative ausprobiert und für gut befunden: Madeira. Auf der Blumeninsel im Atlantik, fast auf Höhe von Casablanca, scheint immer die Sonne, hier ist immer Frühling. Das ganze Jahr über Temperaturen von 22 bis 25 Grad. Perfekt.
Vier Wochen haben wir uns hier aufgehalten und ich muss sagen, die Zipperlein sind weg. Es ist wie ein Jungbrunnen. Die Menschen auf der Insel kennen keine Hektik, so wie wir. Sie sind freundlich und haben immer ein nettes Wort übrig. Und genau diese Gelassenheit, in Verbindung mit dem ewigen Frühling, ist es, was wir suchen. Wir haben unser Paradies gefunden. Die wenigen Strände, die es hier gibt, haben zwar keinen weißen Sand, er ist schwarz, aber das Wasser ist mir 24 Grad angenehm warm. Nur vor der Brandung und der Kraft des Wassers sollte man sich in acht nehmen. Und durch die verschiedenen Klimazonen wird es auch nicht langweilig. Der Nordteil der Insel ist ein wenig kühler, fast wie bei uns. Sollte mal Heimweh aufkommen, dann wir kurzerhand ein Ausflug nach Santana gemacht. Und Wanderwege gibt es hier, fantastisch. Die berühmten Levadas durchziehen die Insel mit einer Länge von rund 2 500 Kilometer. Und die gilt es, zu erwandern!

Bei unserem ersten Besuch auf der Insel haben wir in einer Ferienwohnung, an einem Hang oberhalb von Funchal, gewohnt. Der Höhenmesser pendelte sich auf dem Balkon bei 390 Meter ein. Wenn die Sonne schien, war es herrlich warm. Jedoch wenn sie mal nicht schien, oder dicke Wolken über den Bergen hingen, dann war es nicht mehr so warm. Auch abends nach Sonnenuntergang wurde es empfindlich kalt. Aber immer noch weit über zehn Grad. Nur das Empfinden hat es dann sicherlich kälter erscheinen lassen. Ach ja, Wolken. Sie verhüllen sehr oft die Berge, gerade so, als würden die Gipfel sie festkrallen. Unten in Funchal scheint immer die Sonne und manchmal, wenn ich den Blick Richtung Berge wende, sieht es bedrohlich aus. Aber es passiert nichts. Bei solchen Wolken würde ich zu Hause sagen, ein Unwetter zieht herauf. Hier ist das normal. Selbst nach Sonnenuntergang ist es an der Promenade, direkt am Wasser sehr mild.

Wie gesagt, wir haben unser Paradies gefunden. Im nächsten Jahr werden wir wiederkommen. Dann im Februar und März, acht Wochen lang. Ich freue mich schon riesig darauf, den Winter zu entfliehen.

Bei unseren vielen Wanderungen haben wir sehr viele verfallene Häuser gesehen. Vermutlich sind sie nach dem großen Waldbrand 2016 nicht wieder aufgebaut worden. Einige waren dabei, wo wir uns durchaus vorstellen können, diese für uns herzurichten. Oft sind sie aber noch höher am Hang, als unsere Ferienwohnung. Damit fallen sie dann wegen der abfallenden Temperaturen aus. Unsere Wunschlage wäre ein nach Süden ausgerichtetes Haus, nicht höher als 100 Meter gelegen, mit einem uneinsehbaren Garten. Traumhaft wäre und umlaufender Balkon oder Terrasse. Morgens im ersten zarten Sonnenlicht frühstücken, tagsüber die Sonne genießen und in der Abendsonne gemütlich den Tag ausklingen zu lassen wäre ein Traum.

Ein Objekt, das genau diesen Kriterien entspricht, haben wir zufällig entdeckt. Es liegt in einer Sackgasse, oberhalb einer Ladenzeile, wo wir bisher unsere Einkäufe getätigt haben. Der Hauseingang liegt direkt an der Straße, das Grundstück aber ist rund drei bis vier Meter über dieser. Warum? Weil die Straße dem Gefälle folgt, das Grundstück aber nicht. Wenn man davor steht, sieht es aus, wie der Bug eines Ozeanriesen. Damit ist es nur von höher gelegenen Grundstücken einsehbar, was hier aber durch Baumbewuchs verhindert wird. Doch leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, ob dieses Objekt zum Verkauf steht. Auch hört man hier den Verkehrslärm nicht, so wie in unserer Ferienwohnung. Vom Balkon aus blicken wir direkt auf die Autobahn. Nur ein paar Meter weiter, die Straße hinunter, ist es still. Na ja, und die Bushaltestelle vor der Tür ist zwar praktisch, aber auch laut und manchmal, je nach Wind, weht eine Abgasfahne über den Balkon. Ansonsten war unsere Ferienwohnung sehr schön. Sie hatte einen umlaufenden Balkon und von der Größe her hat es für uns gereicht. Unser Haus sollte allerdings ein Zimmer mehr haben. Drei Zimmer, Küche, Bad und fertig. Mehr als 60 Quadratmeter brauchen es nicht sein. Geschätzt haben die typischen Häuser hier ungefähr diese Größe. Doch viel von ihnen sind zweistöckig. Von der Straße her sieht es nicht so aus, aber das Untergeschoss ist in den Hang gebaut.

In den Hang gebaut! Auf einer unserer vielen Wanderungen haben wir ein Anwesen gesehen, das wäre auch nicht schlecht. Es bestand aus vier, vielleicht sogar fünf Ebenen. Ganz oben war der Abstellplatz für das Auto. Die Wohnbereiche waren darunter. Die Außenmaße waren fünf mal fünf, aber nicht größer als sechs mal sechs Meter. Auch der Garten war den Ebenen des Hauses angepasst und über Treppen miteinander verbunden. Mir gefiel das sehr. Nur muss man immer Treppensteigen, ob im oder am Haus. Besser wäre, alles auf eine Ebene zu haben. Das Haus kann ruhig über zwei Ebenen verfügen. Die eine nutzen wir im Winterhalbjahr selber und die andere wird ganzjährig als Ferienwohnung vermietet. Fertig!

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